Adblocker – des einen Freud, des anderen Leid

Ein Beitrag von Dennis Klehr

Wer kennt es nicht? Wir surfen nichts ahnend im Internet, informieren uns über ein Produkt und ein paar Tage später werden wir auf einer anderen Internetseite auf das gleiche Produkt wieder aufmerksam gemacht. Was dem normalen Internetnutzer verwunderlich erscheint, ist für den Marketing-Spezialisten ausgeklügelte Strategie und einer der Gründe, warum Adblocker sich großer Beliebtheit erfreuen.

Das oben beschriebene Verfahren wird als Retargeting bezeichnet. Dabei werden bestimmte Informationen per Cookie auf einem Adserver gespeichert, der dann auf einer anderen Website mit den gewonnen Informationen das entsprechende Produkt noch einmal auswirft und dafür wirbt. (Nebenbei bemerkt ist ein Problem dieses Verfahrens, dass es natürlich nicht erkennt, ob man das Produkt bereits erworben hat, sodass man nach dem Kauf weiterhin Werbung zu diesem Produkt angezeigt bekommt.)

Adblocker – auch auf dem Smartphone immer beliebter

Die Bedeutung sozialer Netzwerke liegt darin, dass sich Menschen über das Internet austauschen. Gespräche, die früher offline am Stammtisch stattgefunden haben, Verabredungen, die über SMS getätigt wurden und Brieffreundschaft, die jahrelang gepflegt wurden – all dies passiert heute in den sozialen Netzwerken. Die rasante Weiterentwicklung von Online-Technologien und das Angebot an mobilen Datentarifen wirken zudem der Nutzung des mobilen Internets positiv entgegen.

Viele Nutzer wollen dabei jedoch nicht mit Werbung belästigt werden: Eine Erhebung von Page-Fair hat ergeben, dass von den weltweit 1,9 Milliarden Smartphone-Besitzern 419 Millionen User Handy-Werbung unterdrücken – immerhin 22 Prozent!

Nutzer werden mit Werbung überflutet

Adblocker-Time-Square

Wer Facebook bereits in den Anfängen beigetreten ist, wird sich irgendwann einmal die Frage gestellt haben, wie das Unternehmen eigentlich Geld verdient. Serverparks müssen unterhalten werden und verursachen horrende Kosten. Wer weltweit über eine Milliarde Nutzer verzeichnen kann und Unmengen an Daten eines jeden Nutzers besitzt, wird sich irgendwann fragen, wie er sich diese Daten zu Nutze machen kann.

Genau dies hat Facebook getan und liefert jedem einzelnen Nutzer „maßgeschneiderte“ Werbung aus. (Wobei „maßgeschneidert“ im Auge des Betrachters liegt.) Dabei wird pro Klick kräftig verdient, praktisch ein Milliardengeschäft. Und Facebook ist nur ein soziales Netzwerk, das Werbung in diesem Maße anbietet. In fast jedem Netzwerk und auf fast jeder Internetplattform werden wir also mit Werbung konfrontiert, sodass der eigentliche Nutzen, mit seinen Freunden zu kommunizieren oder sich zu informieren, etwas nach hinten rückt.

Verständlich also, dass Adblocker auf hohes Interesse stoßen, auch verständlich, dass den werbetreibenden Unternehmen viel Geld verloren geht. Schauen wir uns doch einmal die Geschehnisse rund um bild.de an: Wer einen Adblocker installiert hat und diesen verwendet, kann Inhalte dort nur einsehen, wenn er dafür entweder bezahlt oder den Adblocker deaktiviert. Klar ist es verständlich, dass Journalisten für ihre Recherchen bezahlt werden wollen und dies heute zum größten Teil nur durch Werbung finanziert werden kann. Hätte man allerdings in der Vergangenheit die Nutzer des Internets nicht zunehmend mit Werbung bombardiert, wäre der Kampf zwischen den Ad-Block-Nutzern und den Plattformbetreibern vielleicht nicht so intensiv, wie er momentan zu sein scheint.

OLG Köln untersagt Verbreitung von AdBlock Plus

Jüngst hat das Oberlandesgericht Köln den Vertrieb des Plug-Ins AdBlock Plus untersagt. Keine Sorge. Dieses Urteil bedeutet nicht das generelle Aus für Adblocker in Deutschland und ist auch noch nicht in Kraft getreten. Lediglich das sogenannte „Whitelisting“ wurde für wettbewerbswidrig erklärt.

Im Detail heißt das: Das Geschäftsmodell, das hinter AdBlock Plus steht ist darauf ausgerichtet, dass Anzeigen wieder ausgeliefert werden, wenn die Anzeigen schaltenden Unternehmen hierfür zahlen. Dies verstößt allerdings gegen § 4a Abs. 1 S. 1 UWG, da es sich hier um eine unzulässige Praktik handele. Aus diesem Grund darf das Plug-In in der derzeitigen Form in Deutschland nicht weiter vertrieben werden.

Facebook will Blockierungssoftware umgehen

Vom Whitelisting-Prozedere hält auch Facebook nicht viel, dieses sorge „bestenfalls für Verwirrung, senkt aber auch die Mittel, die zur Finanzierung des Journalismus und anderer kostenfreier Dienstleistungen, die wir im Internet nutzen, benötigt werden“, wie es in einem aktuellen Blogpost des Unternehmens heißt. Der Internetgigant kündigt an, den Nutzern des weltweit größten sozialen Netzwerkes künftig mehr Steuerungsmöglichkeiten an die Hand zu geben – der User soll selbst entscheiden, welche Werbung er auf Facebook sieht. Gar keine Werbung ist indes keine Option – Facebook will zukünftig auch Personen, „die derzeit Software zur Werbeanzeigenblockierung nutzen, auf dem Desktop Werbeanzeigen auf Facebook zu zeigen.“ Wie dies technisch umgesetzt wird, teilte das Unternehmen nicht mit.

Ein Drittel aller Deutschen nutzen Adblocker

Laut einer Analyse von YouGov nutzen in Deutschland mehr als ein Drittel der User Adblocker, die Hälfte davon hat den Adblocker kontinuierlich eingeschaltet. Die häufigste Nutzung von Adblockern findet dabei im Browser statt (27%), nur 5 Prozent nutzen Adblocker zusätzlich auf dem Smartphone, drei Prozent ausschließlich auf dem Smartphone.

Gerade für Advertiser stellt dies ein großes Problem dar, denn selbst hochwertige Werbung erreicht den User nicht mehr. Hier wird deutlich, dass die User das Internet wie eingangs erwähnt hauptsächlich als Informationsquelle nutzen möchten – dementsprechend geben auch 81 Prozent der Adblocker-Nutzer in einer Studie an, das Internet als Hauptinformationsquelle zu nutzen. Was allerdings beachtlich ist, dass sich gleichzeitig 40 Prozent der Nutzer Sorgen machen, wichtige Informationen zu verpassen, denn immer häufiger liefern ihnen Webseiten eine Vorauswahl an Inhalten aus.

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