Arbeiten 4.0 – Lösungsansätze für die Arbeitswelt von morgen

Mit der Vorstellung des „Weißbuchs Arbeiten 4.0“ durch Arbeitsministerin Andrea Nahles am 29. November 2016 fand der gleichnamige Dialogprozess seinen Abschluss. Das Weißbuch liefert konkrete Vorschläge zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen.

Arbeiten 4.0 – Der Dialogprozess

Digitalisierung, Globalisierung, der demokratische Wandel, neue Formen des familiären Zusammenlebens und ein Trend hin zu immer mehr Individualisierung: Die Gesellschaft befindet sich im stetigen Wandel. Ein Wandel, der nicht zuletzt auch die Arbeitswelt erfasst: Wie werden wir in Zukunft arbeiten, in einer zunehmend vernetzten Welt und einer alternden Gesellschaft? Wird der technische Fortschritt zu einer fortschreitenden Automatisierung und einer Vernichtung von Arbeitsplätzen führen?  Und wie lässt sich die Arbeitsgesellschaft der Zukunft gestalten?

Um diese Fragen zu beantworten, startete das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im April 2015 den Dialogprozess Arbeiten 4.0: Basierend auf dem Leitbild der „guten Arbeit“ sollte so ein Rahmen geschaffen werden, um über „die sozialen Bedingungen und Spielregeln der künftigen Arbeitsgesellschaft“ zu diskutieren und darüber hinaus konkrete Lösungsvorschläge zu entwickeln. Als Grundlage wurde hierfür das „Grünbuch Arbeiten 4.0“ erstellt, in dem die wichtigsten Umwälzungen und Entwicklungen skizziert und Leitfragen erstellt wurden, wie mit diesen umzugehen sei.

Im Rahmen des anschließenden Dialogprozesses fand neben diversen Experten-Workshops und Konferenzen auch das Filmfestival Futurale und eine Erhebung zum Thema „Wertewelten“ statt, in der die Erwartungen der Bürger an „gute Arbeit“ erörtert und sieben verschiedene „Wertewelten“ herausgearbeitet wurden. Wie sich diese gestalten, zeigt unser Blogartikel Arbeiten 4.0: In welcher Wertewelt leben Sie?

Die abschließenden Ergebnisse des Dialogprozesses finden sich im nun kürzlich vorgestellten Weißbuch. Im Folgenden sollen einige der darin enthaltenen Konzepte und Lösungsvorschläge vorgestellt werden.

Stetige Weiterbildung und Qualifikation

Arbeiten 4.0

Werden die technologischen Durchbrüche, die die digitale Revolution zukünftig mit sich bringt, zu einer millionenfachen Vernichtung von Arbeitsplätzen führen?

Langzeitprognosen über die Entwicklung des Arbeitsmarktes gehen davon aus, dass es nicht dazu kommen wird und prognostizieren für das Jahr 2030 „lediglich“ einen Verlust von 23.000 Arbeitsplätzen gegenüber 2014. Unter der Bedingung einer „beschleunigten Digitalisierung“, bei der „Politik und Wirtschaft eine technologische Vorreiterrolle einnehmen und die Bildungs- und Infrastrukturpolitik systematisch auf den digitalen Wandel ausrichten“ wird für 2030 sogar eine Zunahme um 240.000 Arbeitsplätze prognostiziert.

Größere Umwälzungen werden jedoch innerhalb bzw. zwischen den verschiedenen Branchen erwartet: In der öffentlichen Verwaltung, dem Maschinenbau, dem Gastgewerbe sowie der Metallerzeugung und -bearbeitung wird von einem Verlust von Arbeitsplätzen in sechsstelliger Höhe ausgegangen, während in Branchen wie dem Gesundheits- und Sozialwesen, der Leiharbeit und sonstigen Unternehmensdiensten von Zuwächsen in ähnlicher Höhe ausgegangen wird. Zudem verändern sich im Zuge der Digitalisierung auch bestimmte Berufsbilder.

Um die individuelle Beschäftigungsfähigkeit im Kontext dieser Transformationsprozesse erhalten zu können, werden für den Einzelnen stetige Qualifikations- und Weiterbildungsmaßnahmen erforderlich sein (Stichwort „lebenslanges Lernen„).

Die jetzige Arbeitslosenversicherung soll daher stärker präventiv ausgerichtet werden, um insbesondere Übergänge innerhalb der Erwerbsbiographie durch Phasen der Weiterbildung aktiv zu unterstützen: Entwicklungs- und Aufstiegschancen sollen durch ein gesetzlich verankertes Recht auf Weiterbildung ein Leben lang systematisch gefördert werden.

Auf diese Weise soll der Risikofall nicht erst bei drohender oder eingetretener Arbeitslosigkeit gelten, sondern die Gefahr bereits zuvor durch präventive Maßnahmen (z.B. durch Weiterbildungen und Qualifizierungsmaßnahmen) minimiert werden. Aus der klassischen Arbeitslosenversicherung soll auf diese Weise eine umfassende Arbeitsversicherung werden.

Darüber hinaus wird das langfristige Konzept eines persönliches Erwerbstätigenkontos entworfen, das im Verlaufe der Erwerbsbiografie für klar definierte Zwecke (z.B. Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen, der Schritt in die Selbstständigkeit aber auch die Pflege von Angehörigen oder der Übergang in den Ruhestand etc.) genutzt werden kann.

Dieses könnte z.B. in Form eines automatisch eingerichteten Langzeitkontos allen jungen Menschen im Sinne eines „Sozialerbes“ zu Beginn ihrer Erwerbsbiographie mit einem Startguthaben zur Verfügung gestellt werden. In welcher Höhe sich dieses Guthaben bewegen soll, lässt das Weißbuch offen.

Flexible Arbeitszeiten und -Orte

Arbeiten 4.0 - Mehr Flexibilität

Dank moderner Kommunikationsmedien ist Arbeit heute weniger orts- und zeitgebunden. Dies weckt Wünsche nach mehr Flexibilität sowohl auf der Seite der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber.

Viele Beschäftige wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten, und die Möglichkeit, beispielsweise im Homeoffice zu arbeiten um auf diese Weise Beruf und Privatleben besser in Einklang zu bringen. Gleichzeitig ermöglicht die erhöhte Erreichbarkeit der eigenen Angestellten auch Arbeitgebern neue Möglichkeiten der Arbeitsplanung.

Das Weißbuch betont die zunehmende Bedeutung von ausgehandelten Arbeitszeitmodellen und Flexibilitätskompromissen, betont aber auch  den gesetzlich verankerten Schutz vor Entgrenzung und Überforderung.

Skizziert wird darüber hinaus das Konzept eines Wahlarbeitszeitgesetzes, das als „Experimentierraum“ zunächst befristet auf zwei Jahre gelten soll.

Arbeitnehmer sollen dabei unter bestimmten Voraussetzungen das Recht haben, die Dauer ihrer Arbeitszeit („befristete Teilzeit“) zu wählen, zudem soll ihnen ein Recht auf Erörterung der Lage der Arbeitszeit und des Arbeitsortes zustehen.

Unter der Bedingung von vorausgehenden tarifvertraglichen Vereinbarungen sei es zudem denkbar, hinsichtlich der Tageshöchstarbeitszeit und der Ruhezeit von den derzeit bestehenden Regelungen des Arbeitszeitgesetzes abzuweichen.

Absicherung im Alter

Arbeiten 4.0 - Rentenversicherungspflicht

Die Grenzen zwischen Selbstständigkeit und abhängiger Beschäftigung verschwimmen – z.B. bei sogenannten „Solo-Selbstständigen“ wenn diese dauerhaft nur für einen einzigen Auftraggeber tätig sind oder bei Personen, die gleichzeitig als abhängig Beschäftigte und als Selbstständige tätig sind. Im Rahmen der Digitalisierung ist mit einer weiteren Zunahme dieses Trends zu rechnen (z.B. „Crowdworker„).

Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass viele ehemals Selbstständige im Alter aufgrund mangelnder Rentenbezüge auf Grundsicherung angewiesen sind, hält das Weißbuch es für „sachgerecht und angemessen“, Selbständige verpflichtend in die Rentenversicherung einzubeziehen, wodurch sie „die gleichen Rechte und Pflichten wie alle Versicherten“ erhielten.

Dies soll jedoch zunächst nur für jene Selbstständigen gelten, die ihre selbstständige Tätigkeit nach Inkrafttreten der Versicherungspflicht aufnehmen. Zudem soll es möglich sein, die Beitragslasten in der Zeit der Existenzgründung bzw. bei niedrigem Einkommen zu mindern. Selbstständige, die bereits in einem obligatorischen System abgesichert sind, dürfen sich darüber hinaus von der Versicherungspflicht der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen.

(Eine umfassende Zusammenfassung aller Ergebnisse des Weißbuches Arbeiten 4.0 finden Sie hier.)

Was halten Sie von den hier aufgeführten Vorschlägen?  Handelt es sich um zeitgerechte Maßnahmen für die digitalisierte Arbeitsgesellschaft oder um ineffiziente Rohrkrepierer? Wir freuen uns auf Ihre Meinung!

 

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