Arbeiten 4.0: In welcher Wertewelt leben Sie?

Seit  2015 läuft der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierte  Dialogprozess Arbeiten 4.0 – eine Mischung aus öffentlichem und fachlichem Dialog über die Zukunft der Arbeitsgesellschaft.

Keine Frage: Die Arbeitswelt ist im Umbruch und wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch weiter verändern. Die Digitalisierung erschafft dabei nicht nur neue Beschäftigungsformen sondern auch neue Möglichkeiten, diese zu organisieren. Arbeiten im Home-Office und ständige Erreichbarkeit seien hier ebenso wie die neuen Möglichkeiten der Kundenkommunikation  nur als Schlagworte genannt.

Im Rahmen des Dialogprozesses wurde auch eine repräsentative Studie mit dem Titel „Wertewelten Arbeiten 4.0“ vorgestellt, für die insgesamt 1000 Personen über ihre Vorstellungen zum Thema „Arbeit in Deutschland“ befragt wurden – die Basis für die Auswahl dieser Quotenstichprobe bildete der Mikrozensus 2013.

Bei der Erhebungsmethode handelte es sich um Tiefeninterviews mit einer Länge von 90 bis 120 Minuten, bei denen mit freien Antwortmöglichkeiten und Assoziationen gearbeitet wurde. Auf diese Weise sollten auch tieferliegende Wertvorstellungen sichtbar werden. Bei der Auswertung der Studienergebnisse kristallisierten sich sieben verschiedene, voneinander abgrenzbare Wertemuster im Bezug auf das Thema Arbeit heraus, die in den Ergebnissen als „Wertewelten“ bezeichnet werden.

Die sieben Wertewelten

Wertewelten-Verteilung

Das Diagramm zeigt die anteilige Verteilung der verschiedenen Wertewelten, die im Folgenden kurz beschrieben werden – da die Studie als repräsentativ gilt, lassen sich die prozentualen Anteile auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands übertragen.

Bestimmte soziodemographische Merkmale (z.B. „Alter“, „Arbeitssituation“, „Netto-Einkommen“) sind in einigen Wertewelten über- bzw. unterrepräsentiert – dennoch betonen die Herausgeber der Studie, dass eine Zuordnung alleine aufgrund dieser Merkmale definitiv nicht möglich ist. Mit anderen Worten: Merkmale wie Arbeitsverhältnis und Einkommen bestimmen keinesfalls im Vornherein die Wertewelt der Befragten.

„Sorgenfrei von der Arbeit leben können“ (28% der Befragten)

Arbeiten 4.0 - Wertewelt Sorgenfrei

 

Für die Befragten, die sich dieser Wertewelt zuordnen lassen, ist die ideale Arbeitswelt durch ein Lebensgefühl von materieller Sicherheit gekennzeichnet, wozu auch eine gewisse Planungssicherheit im Hinblick auf die eigene berufliche Zukunft gehört. Auf dem Arbeitsplatz ermöglicht ein entsprechender Personalschlüssel im Idealfall ein Arbeiten ohne übermäßigen Druck in eher familiärer Atmosphäre.

Überrepräsentiert

  • Menschen mit einem Netto-Einkommen zwischen 1.100 EUR und 1.699 EUR
  • Gewerkschaftsmitglieder

Unterrepräsentiert

  • unter 30-jährige
  • weniger als 5 Jahre im Arbeitsleben
  • Selbstständige

„Den Wohlstand hart erarbeiten“ (15% der Befragten)

älteres ehepaar stößt mit rotwein an

Für die Bewohner dieser Wertewelt zahlen sich Fleiß und Anstrengung trotz aller Widrigkeiten am Ende des Tages aus – jeder der sich wirklich anstrengt, kann es auch „zu etwas bringen“. Der hart erarbeitete Wohlstand kann dann auch als Lohn und Anerkennung der eigenen Leistung gesehen werden, weswegen man sich auch ein wenig Luxus und einen erhöhten Lebensstandard gönnen darf.

Unterrepräsentiert

  • Gewerkschaftsmitglieder

„Balance zwischen Arbeit und Leben finden“ (14% der Befragten)

Mutter und Tochter vor Laptop

 

Flexibel über Arbeitszeiten und -orte verfügen, das eigene Tätigkeitsprofil kreativ gestalten und dabei Freiraum und Ressourcen für persönliche Projekte finden – all dies spielt für die Menschen dieser Wertewelt eine große Rolle. Arbeit, Familie, Selbstverwirklichung und gesellschaftliches Engagement sollen ein harmonisches Ganzes bilden und sich im Idealfall gegenseitig ergänzen, weswegen die Wirtschafts- und Arbeitswelt sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen soll und nicht umgekehrt.

Überrepräsentiert

  • Personen mit einem Hochschulabschluss/einer Promotion
  • Solo-Selbstständige

„Sinn außerhalb der Arbeit suchen“ (13% der Befragten)

Freiwillige in einem Bauprojekt

Für die Befragten dieser Wertewelt bemisst sich der Wert einer Tätigkeit in erster Linie daran, welchen gesamtgesellschaftlichen Sinn diese hat bzw. welchen Beitrag sie zum Wohle der Gesellschaft leistet.  Dementsprechend werden gemeinnützige Tätigkeiten (etwa in einem Ehrenamt) oftmals als sinnvoller angesehen als Erwerbsarbeit, die vor allem aus materiellen Gründen ausgeübt wird. Soziale Gerechtigkeit spielt für die Bewohner dieser Wertewelt eine ebenso große Rolle wie persönliche Sinnstiftung und die Möglichkeit, seine eigene Persönlichkeit frei entfalten zu können.

Überrepräsentiert

  • Geschiedene

Unterrepräsentiert

  • 30 bis 39-jährige

„Engagiert Höchstleistungen erzielen“ (11% der Befragten)

Frau im Business-Outfit lächelt zufrieden

(Eigen-)Verantwortung, Effizienz und Leistungsstreben kennzeichnen das Arbeitsideal der Befragten, die dieser Wertewelt zugeordnet wurden.  Die Digitalisierung und ihre Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt werden dabei als willkommene Herausforderung begrüßt, die eine höhere Arbeitseffizienz ermöglichen. Neuen Gegebenheiten passt man sich durch Weiterbildungen und lebenslangem Lernen an.

Überrepräsentiert

  • weniger als 5 Jahre im Berufsleben
  • Menschen mit Migrationshintergrund
  • Nettoeinkommen über 4.000 EUR

Unterrepräsentiert

  • Soloselbstständige

„Sich in der Arbeit selbst verwirklichen“ (10% der Befragten)

Mann stellt Projekt an Whiteboard vor.

Die Bewohner dieser Wertewelt sehen eine ideale Arbeitssituation durch ein hohes Maß an Gestaltungsmöglichkeiten gekennzeichnet, die es ihnen ermöglicht, sich immer wieder neu zu erfinden. „Positiver Stress“ durch ständige Herausforderungen und beständige Weiterbildung werden dafür gerne in Kauf genommen.

Überrepräsentiert

  • Personen mit Promotion
  • Nettoeinkommen über 4.000 EUR

„In einer starken Solidargemeinschaft arbeiten“ (9% der Befragten)

Arbeiten 4.0 Solidargemeinschaft

 

Für die Bewohner dieser Lebenswelt bedeutet Arbeit Loyalität, Wertschätzung und Zusammenhalt. Wichtig ist ihnen die Erhaltung erkämpfter sozialstaatlicher Standards, die Wertschätzung einmal erworbener Qualifikationen und ein Lebensgefühl von sozialer Sicherheit.

Überrepräsentiert

  • Über 60-jährige
  • Menschen mit Migrationshintergrund

Unterrepräsentiert

  • weniger als 5 Jahre im Arbeitsleben

Arbeiten 4.0: In welcher Wertewelt leben Sie?

Nachdenklich mit Finger auf Lippen

 

Sie würden gerne wissen, welche Wertewelt am ehesten Ihren Vorstellungen entspricht? Kein Problem: Um auch dem Rest der Republik die Möglichkeit zu geben, einen Blick auf die eigene ideale Arbeitswelt zu werfen, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Online-Kurztest entworfen, der hier zu finden ist. Einen Link zur kompletten Studie finden Sie hier.

Hat das Ergebnis Ihre Erwartungen erfüllt? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Bildquellen:

Titel: moleshko/Pixabay

Sorgenfrei: Aleksandar Nakic/istockphoto.com

Wohlstand: Vanja Ivosevic/istockphoto.com

Balance: LifesizeImages/istockphoto

Sinn: „Volunteering“ by Daniel Thornton. Licensed under CC BY 2.0.
Höchstleistungen: pixdeluxe/istockphoto

Selbstverwirklichung: GlobalStock/istockphoto

Solidargemeinschaft: pmbbun/pixabay

Eigene Wertewelt: lofilolo/istockphoto