Ein Besuch im Klärwerk Ruhleben

Klärwerk Ruhleben – die Wasserwaschmaschine

Rund 650.000m³ Abwasser produzieren die Berliner täglich, an regnerischen Tagen kann sich diese Menge gut und gerne verdoppeln. Um dieses enorme Aufkommen an verunreinigtem Wasser zu säubern, betreiben die Berliner Wasserbetriebe sechs Klärwerke. Eines davon, das Klärwerk Ruhleben, durfte ich mir im Zuge einer Führung näher ansehen.

Bei meiner Ankunft beeindruckt mich zunächst die Größe der Anlage: Seit 1963 ist sie in Betrieb und wurde seitdem in mehreren Stufen ausgebaut – inzwischen erstrecken sich diverse Gebäude, Apparaturen, Wasserbecken und Tanks über 25 Hektar.

Bevor die Führung beginnt, erfahren ich und die anderen Besucher zunächst einige interessante Zahlen und Fakten über das Klärwerk. Denn die Kläranlage sticht gleich in doppelter Hinsicht hervor. Zum einen handelt es sich hierbei um das einzige wirklich innerstädtische Klärwerk in Berlin, zum anderen ist es auch das leistungsfähigste: Mit 247.500m³ reinigt es an einem Tag ohne Niederschlag mehr als ein Drittel der anfallenden Abwassergesamtmenge, dies entspricht dem Verbrauch von 1,6 Millionen Einwohnern. Die maximale Kapazität bei Regenwetter entspricht gar 600.000m³ pro Tag.

Was konkret im Klärwerk vor sich geht, erfahren wir bei der eigentlichen Führung, wo wir dem Abwasser auf seiner Reise durch die Anlage folgen. Prinzipiell kommen dabei zwei aufeinanderfolgende Reinigungsmethoden zum Einsatz: Die mechanische und die biologische Reinigung.

Mechanische Reinigung

Die erste Station ist sozusagen für´s Grobe: Für die im Abwasser treibenden Festkörper endet die Reise bereits an der Rechenanlage. Das sich sammelnde „Rechengut“ besteht aus den nicht aufgelösten Überresten von all dem, was die Berliner tagtäglich die Toilette hinabspülen und zudem durch Regenwasser in die Kanalisation gespült wird – Holz und Papier aber auch Textilien und Plastik. All dies sammelt sich in Form einer dunklen breiigen Masse am Rechen, der regelmäßig durch spezielle Harken gereinigt wird. Das Rechengut wird gepresst und in offenen Containern gesammelt, die wir ebenfalls besichtigen dürfen. Aufgrund des wenig angenehmen Geruchs lädt dieser Ort jedoch nicht lange zum Verweilen ein.

Oftmals werden hier auch Kuriositäten angeschwemmt und die ungewöhnlichsten Schätze präsentiert das Klärwerk seinen Mitarbeitern und Besuchern gar in einem speziellen Schaukasten, in dem sich unter anderem Gewehrpatronen, ein Schildkrötenpanzer und ein Teppichklopfer finden.

Da Regenwasser ebenfalls in die Kanalisation fließt, ist das Abwasser auch durch Sand und anderen mitgeschwemmten Straßenbelag verschmutzt. An der zweiten Station, dem Sandfang, wird der Fluss des Abwassers daher durch den Einsatz eines sogenannten Proportionalwehrs stark gebremst, während es durch spezielle Rinnen fließt. Bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 0,3 Metern pro Sekunde setzen sich auf diese Weise Sand und andere mineralische Verunreinigungen wie Kies und kleine Steine am Boden ab. Auch dieses Siebgut wird, nachdem es in speziellen Sandwaschbehältern von organischen Bestandteilen getrennt wurde, in Containern gesammelt.

Vorklaerbecken im Klaerwerk Ruhleben

Vorklärbecken

Das von festen Materialien und Mineralien befreite Abwasser durchläuft anschließend den letzten Schritt der mechanischen Reinigung: das Vorklärbecken. Hier wird die Fließgeschwindigkeit noch weiter reduziert, sodass die mittlere Verweildauer in den Becken an einem niederschlagsfreien Tag ca. 1,8 Stunden beträgt. Ziel dieses extrem verlangsamten Dahinfließens ist es, das Wasser von Fett und Schlamm zu befreien. Während Fett bekanntlich an der Wasseroberfläche schwimmt und daher durch ein Paddelwerk entfernt wird, setzt sich der Schlamm am Boden des Beckens ab.

Dort wird er mechanisch in einen Trichter geschoben und zur weiteren Verarbeitung in der Schlammbehandlung gepumpt, wo er zunächst in den beeindruckend großen „Mischschlammausgleichspeichern“ gelagert wird. Im Zuge unserer Führung wurde uns auch ein Blick auf die weitere Verwendung des Schlamms ermöglicht, einen Ort den man so nicht unbedingt in einem Klärwerk erwarten würde: In gewaltigen Öfen wird der Schlamm verbrannt, wodurch Energie gewonnen wird. Das Klärwerk beinhaltet also auch ein kleines Kraftwerk, ein Drittel ihres Energiebedarfs deckt die Anlage auf diese Weise durch Eigenproduktion.

Schlammtanks im Klaerwerk Ruhleben

Mischschlammausgleichspeicher

Biologische Reinigung

Das von Festkörpern, Sand, Mineralien, Fetten und Schlamm befreite Abwasser wiederum ist nun bereit für die nächste Phase, das sogenannte Belebungsbecken. Hier erblicken wir eine grünlich-braune Schicht auf der Wasseroberfläche. Es handelt sich dabei um mit diversen Mikroorganismen „belebten Schlamm“. Die Aufgabe der winzigen Lebewesen ist es, das Abwasser von gelösten organischen und anorganischen Stoffen zu befreien. Das Becken ist dazu in drei Zonen unterteilt, in denen das Abwasser nacheinander für einige Stunden verweilt: Die Sauerstoffarme anaerobe Zone, die mit gebundenem Sauerstoff angereicherte anoxische Zone und die sauerstoffreiche aerobe Zone. Die Zufuhr von Sauerstoff ist am Strudeln des Wassers in den jeweiligen Becken erkennbar.

Das Wasser steht zunächst für 3 Stunden in der anaeroben Zone und später für 9 Stunden in der sauerstoffhaltigen aeroben Zone, in der die Kleinstlebewesen dann ca. 96% der verunreinigenden Phosphate vertilgen. Ohne die vorgeschaltete sauerstofffreie Zone wären es lediglich 30%. Dies liegt daran, dass die Mikroorganismen sich (vereinfacht gesagt) durch den vorigen Aufenthalt in der anaeroben Zone schneller an das anaerobe Milieu anpassen und somit mehr Phosphate aufnehmen können.

In der aeroben Zone oxidiert darüber hinaus das im Abwasser befindliche Ammonium über Nitrit zu Nitrat, welches in der zwischengeschalteten anoxischen Zone (Verweilzeit: 6 Stunden) durch die Mikroorganismen zu molekularem Stickstoff reduziert wird. Um das Nitrat abzubauen, wird das Wasser somit wiederholt von der aeroben in die anoxische Zone gepumpt.

Zurück zur Natur

Im letzten Schritt muss das Wasser wieder vom belebten Schlamm befreit werden. Dies geschieht in den sogenannten Nachklärbecken, durch die das Wasser nacheinander geleitet wird und jeweils noch einmal mehrere Stunden steht. Dadurch löst sich der Schlamm und sinkt zum Boden des Beckens, gleichzeitig wird der sich an der Wasseroberfläche sammelnde „Schwimmschlamm“ durch Räumer abgetragen. In Ruhleben kommen verschiedene Nachklärbecken zum Einsatz, darunter auch sechs der charakteristischen großen Rundbecken.

Der letzte „Waschgang“ ist somit abgeschlossen und das Wasser gereinigt. Zu guter Letzt, so erfahren wir am Ende der zweistündigen Führung, wird das nun gereinigte Wasser in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgepumpt: In den „warmen Monaten“ April bis September in den 16 Kilometer entfernten Teltowkanal im Süden Berlin, in den restlichen Monaten direkt in die Spree.

Links:

http://www.bwb.de/content/language1/html/981.php

http://www.bwb.de/content/language1/html/1148.php

Fotonachweis
Urheber: Sascha Berninger

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