Die digitale Revolution – zehn Prognosen bis 2025

Vorhersagen über technologische Entwicklungen sind stets mit Vorsicht zu genießen, zu viele Faktoren spielen eine Rolle, die in ihrem Zusammenspiel wirklich sichere Prognosen nahezu unmöglich machen. Dennoch ist es faszinierend, bereits heute zu sehen, wohin uns die digitale Revolution zukünftig treiben könnte.

Beispielhaft hierfür ist eine umfangreiche Studie des Weltwirtschaftsforums, in der mehr als 800 Experten und Führungskräfte aus der Technologiebranche befragt wurden, welche Entwicklungen sie für die kommenden 10 Jahre für wahrscheinlich halten.

Konkret wurde dabei nach den  „Tipping Points“ bestimmter Entwicklungen  gefragt – dem Zeitpunkt, an dem sich eine Technologie durchsetzt und Teil des gesellschaftlichen Alltags wird.

Das Besondere an den  folgenden 10 Tipping Points: Ihr Eintreten wurde jeweils von mehr als 80% der befragten Experten bis zum Jahr 2025 erwartet.

 

I. Das Internet

Unendlicher Speicherplatz

digitale Revolution: Serverraum

tipping-point: 90% aller Menschen steht unbegrenzter (weil werbefinanzierter) Speicherplatz zur Verfügung

Der Preis für Speicherplatz fällt kontinuierlich: Ein Gigabyte Festplattenspeicher hätte 1980 noch über eine Millionen Dollar gekostet, zwanzig Jahre später, zur Jahrtausendwende, war die gleiche Menge Speicherplatz für bereits 10 Dollar zu haben. Im Jahre 2010 lag der Preis für ein Gigabyte hingegen bei unter zehn Cent – Tendenz fallend.

Es ist bei derartigen Zahlen nicht weiter verwunderlich, dass nahezu unbegrenzter Online-Speicherplatz von vielen Firmen bereits heute als Gratisservice für Kunden angeboten wird. Die konkreten Effekte der unbegrenzten Speichermöglichkeiten zeigen sich auch darin, dass geschätzte 90% aller weltweit gespeicherten Daten innerhalb der vergangenen zwei Jahre generiert wurden und sich die Gesamtmenge aller von Unternehmen erzeugten Daten alle 1,2 Jahre verdoppelt.

Das digitale Alter Ego

Gesicht aus Binärcode

tipping-point: 80% aller Menschen verfügen über eine digitale Präsenz im Internet

2015 hatte knapp die Hälfte der Weltbevölkerung  (3,175 Milliarden Menschen) Zugang zum Internet, zugleich existierten weltweit 2,2 Millarden aktive Social-Media-Profile – das entspricht 30% der Weltbevölkerung.

In unserer zunehmend vernetzten Welt verschmilzt das „digitale“ Leben im Internet dabei zunehmend mit dem „realen“ Leben. Die IT-Experten gehen daher davon aus, dass die Präsenz im virtuellen Raum als Mittel des persönlichen Ausdrucks weiter an Bedeutung gewinnen wird und als ähnlich wichtig angesehen werden wird wie die Präsenz im realen Raum.

Die Wahl des Profilbildes, des Profildesigns und der Äußerungen in der Online-Welt wird eines Tages gleichbedeutend sein mit der Frage nach der Wahl der täglichen Kleidung in der  physischen Realität.

Big-Data

digitale Revolution: Mosaik aus tausenden Einzelbildern

tipping-point: Der erste Staat ersetzt die Volkszählung vollständig durch Big-Data-Analysen

Wer den virtuellen Raum bewandert, hinterlässt digitale Spuren. Niemals zuvor wurden daher soviele Daten über die Allgemeinheit gesammelt, die gleichzeitig immer effizienter verwaltet und ausgewertet werden können.

Auf lange Sicht wird es sich für Regierungen und öffentliche Verwaltungen anbieten, auf diese gewaltigen Datensätze zurückzugreifen, anstatt eigene Befragungen durchzuführen. In puncto Datenschutz setzt dies gleichzeitig verlässliche Prozesse der Anonymisierung voraus.

 

II. Die physische Welt

 

Das Internet der Dinge

Internet of things

tipping-point: Eine Billionen Sensoren sind mit dem Internet verbunden

Nach Moores Gesetz verdoppelt sich die Rechenleistung von Computern alle zwei Jahre – und seit 50 Jahren trifft diese Vorhersage mit verblüffender Genauigkeit zu.

Durch weiter steigende Prozessorleistung bei gleichzeitig fallenden Preisen wird es inzwischen ökonomisch machbar, so ziemlich jeden Alltagsgegenstand – sofern sinnvoll – mit dem Internet zu verbinden. Beispiele sind in Fahrzeuge verbaute Sensoren, Biochip-Transponder bei Nutztieren und das vernetzte Zuhause.

 

3D-Druck

Digitale Revolution: Ein 3D-Drucker

tipping-point: 5% aller Produkte werden von Konsumenten selbst ausgedruckt

Warum zum Schuhgeschäft gehen, wenn man die gewünschten Schuhe einfach Zuhause per 3-D-Drucker produzieren lassen kann? Noch dazu, wenn sie sich dabei  auch gleich optimal an die eigene Fußform anpassen lassen?

Was nach Science-Fiction klingt, könnte in zehn Jahren nach Ansicht der Experten für eine Vielzahl von Produkten bereits Realität sein. Immerhin wurden 2014 weltweit bereits 133.000 3D-Drucker ausgeliefert, eine Zunahme von ganzen 68% gegenüber 2013. Die meisten dieser Geräte sind für unter 10.000 $ zu haben und beispielsweise für Einsätze in Laboren, Schulen und kleineren Produktionsstätten geeignet.

Beim 3-D-Druck-Verfahren werden dreidimensionale Objekte Schicht für Schicht ausgedruckt, wobei eine Vielzahl von verschiedenen Materialien wie Plastik, Alumium, Stahl, Keramik und sogar komplexe Legierungen zum Einsatz kommt. Der 3-D-Drucker vollbringt, wozu vorher teilweise eine ganze Fabrik nötig war und kommt bereits in einer Reihe von Anwendungsfeldern zum Einsatz, sei es bei der Produktion von Windturbinen oder Spielzeugen.

 

Roboter als Helfer im Alltag

tipping-point: In den USA nimmt der erste Roboter-Apotheker seine Arbeit auf

Bereits heute werden weltweit über 1,1 Millionen Roboter für diverse Arbeiten eingesetzt, bei der Produktion eines Autos werden 80% der Arbeiten von Maschinen durchgeführt.

Der Einsatz von Robotern wird  zukünftig nicht auf den produzierenden Sektor beschränkt bleiben, sondern sich auf Handel- und Servicedienstleistungen ausweiten. In Japan beispielsweise sollen Pflegeroboter zukünftig die Folgen der überalternden Gesellschaft abfedern.

 

III. Die digitale Revolution und der Mensch

Supercomputer für die Hosentasche

Smartphone

tipping-point: 90% der Weltbevölkerung benutzen ein Smartphone

Die Beantwortung einer gewöhnlichen Google-Suchanfrage benötigt so viel Rechenpower wie seinerzeit das gesamte Apollo-Mondfahrt-Programm.  Moderne Smartphones verfügen dementsprechend über mehr Rechenkraft als  frühere Supercomputer, die oftmals ganze Räume ausfüllten.

In vielen asiatischen und afrikanischen Staaten wie z.B. Malaysia, Thailand und Südafrika  sind Smartphones schon heute verbreiteter als herkömmliche PCs, in  den Vereinigten arabischen Emiraten, Singapur und Saudi-Arabien nutzen bereits annähernd 90% der erwachsenen Bevölkerung ein Smartphone.

Mit der weiter zunehmenden Rechenleistung bei gleichzeitig fallenden Prozessorpreisen wird sich die globale Verbreitung der kleinen Wundermaschinen weiter beschleunigen – bis hin zu dem Punkt, an dem nur noch ein geringer Anteil der Menschheit ohne einen mobilen Alleskönner unterwegs sein wird.

 

Intelligente Kleidung

tipping-point: 10% aller Kleidungsstücke sind mit dem Internet verbunden

Aufgrund der technischen Entwicklung werden leistungsfähige Computer immer kleiner und kommen uns zugleich immer näher: Zunächst füllten sie komplette Hallen aus, dann fanden unter dem Schreibtisch Platz, anschließend passten sie in einen Rucksack, inzwischen tragen wir sie in unseren Hemdtaschen mit uns herum.

Ein Zwischenschritt auf dem Weg hin zur „intelligenten Kleidung“ bilden bereits heute erhältliche Wearables, wie Fitnesstracker und Smart-Watches. Der nächste Schritt besteht dann darin, die Technologie direkt in unserer Kleidung zu integieren. Denkbar sind beispielsweise Produkte wie Vital-T-Shirts, die Körperfunktionen überwachen oder Multimedia-Jacken mit eingebautem MP3-Player.

 

Erweiterte Realität

tipping-point: 10% aller Brillen sind mit dem Internet verbunden

Augmented Reality (erweiterte Realität) bezeichnet eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. In der Praxis ist damit gemeint,  dass über ein Brillendisplay virtuelle Objekte und Umgebungsinformationen im Blickfeld des Träger erscheinen und ihm beispielsweise bestimmte Arbeitsabläufe erleichtern. In einem Augmented-Reality-Pilotprojekt bei DHL konnte die messbare Effizienz bei der Warenkommision um 25% gesteigert werden. Ob auch Serviceleistungen wie unser Telefonservice wohl eines Tages von dieser Technologie profitieren könnten?

Microsoft arbeitet bereits seit längerer Zeit an der Augmented-Reality-Brille Hololens, während Google und andere Unternehmen zusammen bereits eine halbe Milliarde Dollar in das Start-Up Magic Leap investiert haben, das virtuelle Objekte in nie gekannter Qualität in das Sichtfeld des Benutzers projizieren soll. Vollmundig verspricht Magic Leap, dass das in Entwicklung befindliche Gerät alle Funktionen eines Smartphones ausführen können soll.

 

Implantierbare Technologie

verschiedene Implantate in einer Zeichnung

tipping-point: Das erste implantierbare Mobiltelefon ist auf dem Markt erhältlich

Die digitale Revolution macht auch vor dem menschlichen Körper nicht halt – das Smartphone als ständiger Begleiter macht es bereits vor: Menschen sind zunehmend an ihre technischen Geräte gebunden. Zugleich – man denke etwa an Gimmicks wie das Fitness-Armband – stehen die digitalen Geräte zunehmend in Verbindung zum menschlichen Körper. Wearables wie diese und Geräte wie Schrittmacher und Hörgeräte sind jedoch nur der Beginn einer ganzen Reihe von kommenden Geräten zur Überwachung der körperlichen Gesundheit. Diese werden den Grad einer Erkrankung messen, dem Träger Maßnahmen vorschlagen, Daten an Überwachungszentren senden und bei Bedarf auch gleich Medikamente im Körper des Patienten freisetzen.

Implantate müssen dabei nicht auf den Gesundheitsbereich beschränkt bleiben: Wenn Smartphone und Co. uns ohnehin ein Leben lang begleiten, ist der nächste logische Schritt, dass sie dies als integraler Teil (oder „Erweiterung“) unseres Körpers tun. Zwar mag uns eine solche Vorstellung heute bisweilen noch abschrecken, doch derartige Hemmschwellen könnten eines Tages auch fallen – wenn nur die praktischen Vorteile überwiegen: In einer Umfrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung begrüßten 51% der 1000 Befragten die Möglichkeit, sich eines Tages Implantate zur Steigerung der geistigen Fähigkeiten einpflanzen zu können.

Die digitale Revolution – wie geht es weiter?

Welche dieser Prognosen halten Sie für realistisch, welche für reine Fantastereien? Sie sehen andere, hier nicht genannte technologische Entwicklungen auf uns zukommen? Teilen Sie uns Ihre Meinung mittels der Kommentarfunktion mit, wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

 

Lust auf noch mehr Zukunftsvisionen?

Eine umfangreiche englischsprachige Auswertung der gesamten Studie mit allen 21 „tipping points“ finden Sie hier.

Womit sich Onlinehändler in Zukunft befassen sollten, verrät Zukunftsforscher Nils Müller in einem Interview.

Wie die Berliner Wasserbetriebe ihren Fuhrpark fit für die Zukunft machen, lesen Sie in unserem Blogartikel Treibstoff aus der Steckdose.

Und in welche Richtung der Medienkonsum zukünftig tendieren könnte,  zeigt unser Beitrag Medienkonsum 2015 – Das Fernsehen bekommt Konkurrenz.

 

Bildnachweis

Titel: thehorriblejoke/pixabay.com

„Unendlicher Speicherplatz“:  evertonpestana/pixabay.com

„Das digitale Alter Ego“: geralt/pixabay.com/

„Das Internet der Dinge“: jeferrb/pixabay.com/

„3D-Druck“: kaboompics /pixabay.com/

„Supercomputer für die Hosentasche“: Jan Vašek/www.pexels.com

„Big Data“: „Big Bang Data exhibit at CCCB 17“ by Kippelboy – Own work. Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Big_Bang_Data_exhibit_at_CCCB_17.JPG#/media/File:Big_Bang_Data_exhibit_at_CCCB_17.JPG

„Implantierbare Technologie“: Askold Romanov/istockphoto.com

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