Flo Neutrum

Nichts vermag ihn aus der Ruhe zu bringen: Wenn Florian am Telefon mit Kunden spricht, fällt es schwer sich vorzustellen, dass unser stets freundlich und besonnen agierender Mitarbeiter auch einmal laut werden kann.

Doch dann wird man darauf hingewiesen, dass besagter Exil-Bayer neben seiner Tätigkeit als Kundenbetreuer bei bluepartner quasi ein Doppelleben führt: Er ist Sänger und Gitarrist einer Metal-Band namens THE TROLLENBERG TERROR.

Die Band mit dem markanten Namen schmückt sich in den Suchergebnissen einer einschlägigen Suchmaschine unter anderem mit der Kategorisierung „Metal Punk Sludge Core“ was gleichzeitig wohl auch eine Absage an jede eindeutige Kategorisierung darstellt.

Auch ein gewisser „FLO NEUTRUM“, offenbar Florians Alter Ego, wird hier genannt. Zeit, mit diesem ein paar Worte zu wechseln:

Hi Florian, wieso eigentlich FLO NEUTRUM ?

Das basiert auf einer alten Folge der Serie „Eine schrecklich nette Familie“, also Al Bundy und Konsorten. Töchterchen „Dumpfbacke“ Kelly kam mit ihrem neuen Freund an (ein völliger Loser selbstredend, wie immer in der Serie) und stellte ihn der Familie unter dem Namen Neutrum vor. Das fand ich ungefähr das Dämlichste, was ich jemals gehört / gesehen hatte, daher blieb es im Kopf haften. Als es später dann mit der ersten Band losging, fand ich das ein nettes Pseudonym bzw. Namensanhängsel. Weil: Es wirft Fragen auf. Wenn etwas Fragen aufwirft, heißt das, dass es interessant ist. Scheint ja aufzugehen, schließlich hast Du tatsächlich gefragt. 😉

Das stimmt, gutes Konzept. Um sich mal dem Thema „Eure Band“ anzunähern:  Mit welcher Metapher lässt sich eure Musik am treffendsten beschreiben?

Sehr psychologische Fragestellung. 😉 Kann ich so gar nicht beantworten. Was ich auf alle Fälle sagen kann, ist, dass unsere Musik eher weniger mit Blümchen und Wiesen zu tun hat. Überleg, überleg, überleg… Nee, sorry, muss ich passen.

Ok, andere Frage: Seit wann gibt es eure Band denn und wie ist sie entstanden?

Die Band in dieser Form existiert seit 2012. Jörg, der Bassist und Co-Sänger und ich haben eine gemeinsame musikalische Vergangenheit vor THE TROLLENBERG TERROR. Mit der alten Band ging es irgendwann aber nicht mehr vorwärts, z. B. weil ein Mitglied Vater wurde und nicht mehr die nötige Zeit aufbringen konnte. Also haben wir die Sache für beendet erklärt und uns einen neuen Schlagzeuger gesucht, den wir in Holger auch zügig fanden. Songüberbleibsel aus Prä-Trollenberg-Tagen ließen wir zunächst außen vor und konzentrierten uns darauf, einen eigenen Sound und eine eigene Identität zu etablieren. Das klingt akademischer als es eigentlich war, denn letztlich hat sich das von alleine sehr organisch entwickelt. Auf alle Fälle wollten wir uns erstmal Zeit für Songwriting und Identitätsfindung lassen, bevor wir irgendetwas veröffentlichen oder live auftreten. Die Welt im Allgemeinen und Berlin im Speziellen ist völlig überflutet mit „Schülerbands“, die sich und ihre Musik für die Neuerfindung des Rads halten. Wer aus der Masse herausstechen möchte, muss also etwas Eigenes, Individuelles bieten und außerdem ein gewisses Maß an Professionalismus mitbringen. Zumindest unserer eigenen Meinung nach ist uns das gelungen, sodass es 2013 dann mit ersten Auftritten und der Veröffentlichung der zwei EPs „Orchid“ und „Dahlia“ losging. 2014 folgte dann das Minialbum „We’ll Be Out Of Prison By Midnight“. Wenn nicht gerade ein Bandmitglied im Urlaub ist, treten wir seither fast im Monatstakt irgendwo auf – zumeist in Berlin.

Und wie ordnet ihr euch musikstilistisch ein bzw. was macht eure Musik aus?

Im Wesentlichen ist das, was wir machen, schon Metal-Musik, allerdings explizit ohne das Präfix Heavy. Soll heißen: Mit klassischem Heavy Metal hat das mal gar nichts zu tun. Das Ganze ist die Summe ihrer Teile (und hoffentlich mehr) und basiert somit auf den unterschiedlichen Musikgeschmäckern, die wir drei haben. Das reicht von Metal in ungefähr allen erdenklichen Spielformen über Punk bis hin zu Ska, aber auch gut gemachter Pop. Was den Metalfaktor betrifft hat es sich ergeben, dass wir einen basslastigen und tiefergestimmten Sound bevorzugen (für die Experten: sludgelastig bzw. mit einer Basis im schwedischen Death Metal). Gesang im Sinne von klar gesungenen Melodien kommt bei uns eher am Rande vor, wenn dann aber gerne auch mal mehrstimmig. Die Antwort auf Deine Frage würde übrigens je nach Tagesform und nach Ansprechpartner aus unserer Band variieren. Heute, hier und jetzt fällt mir als halbwegs passender Vergleich ein: Man stelle sich vor, eine Sludge-Band geht an ihre Songs mit einem ähnlichen „Irrsinn“ heran wie SYSTEM OF A DOWN. Vielleicht kommt das halbwegs hin. Der letzte Versuch, dem Ganzen einen griffigen Namen zu geben, hörte auf die Bezeichnung „Death Grunge“. Warum Death, sollte nach meinen Ausführungen klar sein. Grunge macht insofern Sinn, weil der ursprüngliche Grunge selbst ein Crossover aus verschiedenen Stilen war (Punk, Rock, Metal), zeichnete sich jedoch immer durch seine Emotionalität und Dringlichkeit aus. Ich behaupte einfach mal, dass das auch auf uns zutrifft, wenn auch die Grundzutaten andere sind und den Hörer meist einer von uns dreien frontal anschreit / anbrüllt.

Was man darüber hinaus noch erwähnen sollte, ist, dass unsere Songs bei allen stilistischen Schlenkern bewusst nachvollziehbar gehalten werden. Hooklines finden sich überall, jedoch muss der durchschnittliche Pop-Hörer sich zunächst durch einige Schichten „Lärm“ wühlen. Der Anspruch dabei ist zumindest von meiner Seite, dass nicht nur „Experten“ was mit uns anfangen können sollen. Für letztere sollten hingegen ausreichend Referenzen, liebevolle Zitate oder schamlos geklaute Teile in den Liedern enthalten sein, um die Sache auch für diese Klientel interessant zu halten.

„Ich wollte einfach wissen, ob man mit purem, unstrukturiertem Lärm unter dem Deckmantel der Kunst heutzutage durchkommt.“

„The Trollenberg Terror“ als Name stimmt bereits darauf ein, dass eure Band nicht unbedingt „Entspannungsmusik“ produziert, wie kamt ihr denn auf den Titel und wie beschreibt er eure Band?

Ob der Name uns als Band beschreibt, sollen andere beurteilen. Er ist jedenfalls auf meinem Mist gewachsen, da mich, unabhängig von der jeweiligen Bedeutung, immer schon der reine Sound von Wörtern, Begriffen und Phrasen interessiert hat. The Trollenberg Terror ist der Titel eines recht kultigen Horrorfilms aus den 1950ern. Darauf gestoßen bin ich einige Monate vor Bandgründung, als ich zur (Neu-? Wieder-?) Veröffentlichung der DVD ein Review in einer Fernsehzeitschrift las. Der Film hat mich weniger interessiert, aber den Namen fand ich von Anfang an spektakulär. Das ging soweit, dass ich noch am gleichen Tag ein imaginäres Projekt unter dem Trollenberg-Banner ins Leben rief und eine Myspace-Seite online gestellt hatte. Mit unterschiedlichen Musikern haben wir dann in unserem Probe- / Studioraum puren Lärm fabriziert. Wir sprechen hier wirklich von Lärm, das hatte mit Musik (bewusst) nicht das Geringste zu tun. Der Hintergedanke war der, das auf Myspace zu posten, möglichst viele Leute damit zu behelligen und stets zu behaupten, dass sich ein Konzept dahinter verberge. Ich wollte einfach wissen, ob man mit purem, unstrukturiertem Lärm unter dem Deckmantel der Kunst heutzutage durchkommt. In der Tat ist uns damals niemand auf die Schliche gekommen. Scheinbar dachten wirklich alle Myspace-Besucher, es handle sich um Avantgarde. Das Experiment war danach auch gleich wieder beendet aber der Name hing mir noch nach, als Jörg und ich später die neue Band gründeten. Anknüpfend an vorige Fragen zur Stilistik und Beschreibung des Sounds, sollte ich noch erwähnen, dass zumindest in meinem Kopf schon bestimmte Assoziationen entstanden waren, wie eine Combo diesen Namens wohl klingen solle. Ob die anderen beiden das auch so sehen, kann ich aber nicht beantworten. Zumindest kommt das, was wir heutzutage an Musik fabrizieren, meiner Idee schon recht nahe. Zuletzt sei erwähnt, dass sich die Sperrigkeit des Namens bei Liveauftritten gelegentlich auch als Nachteil erweist. Kaum jemand versteht es auf Anhieb, wenn wir uns kurz vorstellen. Wahrscheinlich wird es einfach Zeit für ein ordentlich großes Banner, dann haben die Leute es schriftlich, wie wir heißen.

THE TROLLENBERG TERROR (v.l.n.r.): Florian, Holger und Jörg

THE TROLLENBERG TERROR (v.l.n.r.): Florian, Holger und Jörg

Worum geht es in euren Songs?

Textlich decken wir ein recht breites Spektrum ab, wobei wir versuchen, Klischees entweder zu vermeiden, oder mit einem Augenzwinkern so richtig plakativ auszuwälzen. Thematisch geht es von persönlichen Geschichten über Sachen mit dezent politischem Anspruch bis hin zu klassischen „Wir gegen alle“-Lyrics, wobei auch die in der Regel mit mindestens einem Fünkchen Ironie versehen sind. Die meisten Songs sind schon mit Bedacht vertextet, bei einigen hat aber dann doch entweder die Zeit, Lust oder Inspiration gefehlt. Ein paar pure Fun-Texte sind daher auch am Start. Aus der Not sozusagen. Alles in allem eine bunte Mischung, die fleißig die Perspektiven wechselt und von reinem Nonsense bis zu gesellschaftskritischem Stoff alles abbildet, worüber man in einer harten Band so singen kann. Im Wesentlichen ergibt sich (hoffentlich) eine Symbiose mit der Musik, die ja ebenfalls recht abwechslungsreich ist.

Würdest du sagen, dass eure Musik sowas wie eine „Message“ hat, und wenn ja, wie lautet sie?

Message wäre vielleicht ein bisschen hochtrabend. Wir sind schon recht störrische Hunde, was unseren Sound und dessen Umsetzung betrifft. Auch intern kracht es da gelegentlich, wenn einer seine Idee unbedingt gegen die anderen durchsetzen will. Insofern denke ich, dass die Musik das auch transportiert. Uns ist erstmal keine Idee zu abwegig oder unpassend (vermeintliche Genre-Konventionen verbieten einem Musiker, der harten Sound fabriziert ja ohnehin ungefähr alles, was nicht nach purem, reinen Metal klingt). Kommerziell isses also nicht im Geringsten. Und wer unser Zielpublikum sein soll, ist uns selbst nicht so richtig klar, aber auch eigentlich egal. Um aus einem Review zu einer unserer EPs zu zitieren: „They’re in it for the music.“ Das klingt möglicherweise etwas klischeebehaftet, trifft es aber ganz gut. Denn Kalkül liegt uns gar nicht und letztlich empfinde ich unsere Songs schon ein bisschen als ausgestreckten Mittelfinger in Richtung derer, die immer sagen, dies und jenes gehe so und so nicht. The Trollenberg Terror also ein Ventil für all die, die einfach mal ein lautes „Pffft!“ raushauen wollen? Klingt doch ganz gut eigentlich: „The Trollenberg Terror – das lauteste Pffft der Welt“. Come on, wir sind drei Typen, die lauten Sound machen. Message? Eher nicht. 😉

Florian, danke dir vielmals für das Interview und wünsche euch noch viel Erfolg!

Fotonachweis
Urheber: Dennis Klehr

Weiterführende Links:

Einige Hörproben:

http://thetrollenbergterror.bandcamp.com/

Bandgeschichte:

http://www.thetrollenbergterror.eu/bio.html

facebook:

https://www.facebook.com/thetrollenbergterror

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