Studie: Gute Aussichten für deutsche Kleinunternehmer

Zwischen dem 09. Mai und dem 06. Juni 2016 befragte das Versicherungsunternehmen HISCOX  Kleinunternehmer verschiedener Branchen in Deutschland, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Großbritannien und den USA zu unterschiedlichen Themen. Die befragten Unternehmer beschäftigen jeweils maximal 50 Mitarbeiter, aus jedem Land wurden mindestens 500 Unternehmen befragt, in Großbritanien und den USA mindestens 1000. Das Ergebnis dieser jährlichen Befragung ist der mittlerweile achte „Hiscox DNA of an Entrepreneur Report„.

Optimismus deutscher Kleinunternehmer weiter gestiegen

Befragt nach ihrem Optimismus in Bezug auf die Zukunft, gaben 65% der deutschen Kleinunternehmer an, in den kommenden 12 Monaten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage zu erwarten. Gegenüber den Vorjahren ist dies eine weitere Steigerung: Waren es 2013 nur 57%, stieg der Wert 2014 (60%) und 2015 (61%) kontinuierlich an. Deutschland ist damit das einzige Land, in dem der Optimismus im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist – in allen anderen Ländern ist der Wert im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Unabhängig davon bleiben die Vereinigten Staaten der Spitzenreiter in Sachen Optimismus: 68% der dort befragten Kleinunternehmen sehen die Zukunft positiv (2015: 69%; 2014: 63%).

Am pessimistischsten sind die Erwartungen in Frankreich: Nicht nur ist es das Einzige der sechs Länder, in dem die Optimisten in der Minderheit sind, die Anzahl der zuversichtlichen Kleinunternehmer sank dort im Vergleich zu 2015 noch einmal von 43% auf 41%.

Mehr Kunden, mehr Umsatz und gestiegene Gewinne

Der Optimismus in Deutschland basiert auf soliden Zahlen: 70% der befragten Unternehmen gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten ein Umsatzplus verzeichnet zu haben. Zusammen mit den USA (in denen ebenfalls 70% der befragten Unternehmen erhöhte Umsätze verzeichneten) bildet Deutschland mit diesem Wert die Spitze.

Bei den erwirtschafteten Profiten steht Deutschland ebenfalls gut da, 67% der Kleinunternehmer meldeten gestiegene Gewinne, damit liegt die Bundesrepublik gleich auf Platz 2 hinter den USA (68%).

Tobias Wenhart (Manager Products & Underwriting bei Hiscox Deutschland) merkt dazu an: „Der Optimismus der deutschen Kleinunternehmer kommt nicht von ungefähr: 67% von ihnen, und damit 3% mehr als noch 2015, berichten von einer verbesserten Auftragslage. Und wie bereits im letzten Jahr waren sie gemeinsam mit den USA und Spanien Spitzenreiter bei der Kundenakquise. Fast drei Viertel (74%) der befragten deutschen Unternehmen konnten in den vergangenen 12 Monaten neue Kunden dazugewinnen.“

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Wünsche an die Politik

„Die Regierung meines Landes unterstützt Kleinunternehmer durch ihre Politik“ – Diese Frage bejahten in Deutschland nur 34%  der Kleinunternehmer – im Vergleich zum Vorjahr ist dies sogar noch eine Steigerung um 2%.

Deutschland ist dabei jedoch beileibe keine Einzelfall: In allen Ländern gibt jeweils nur eine Minderheit der befragten Unternehmen an, mit der Politik diesbezüglich zufrieden zu sein, im Durchschnitt aller Länder sind es 28% – 2015 waren es noch 30%.

Mit den genannten 34% liegt Deutschland somit sogar über dem Durchschnitt und rangiert an zweiter Stelle hinter dem Spitzenreiter Großbritannien – dort sind 35% der befragten Unternehmen mit der Politik ihrer Regierung diesbezüglich zufrieden.  2015 waren es dort sogar noch 45% – ein Rückgang um ganze 10%. (Zu beachten ist hierbei, dass die Umfrage im Vorfeld des Brexit-Referendums stattfand.)

Analog zu den pessimistischen Erwartungen im Land bildet auch hier Frankreich das Schlusslicht: Lediglich 14% der befragten Unternehmen fühlen sich von der Politik ihrer Regierung unterstützt – immerhin ein Prozent mehr als 2015 .

Was wünschen sich Kleinunternehmer von der Politik? In allen sechs Ländern steht ein Wunsch ganz oben auf der Liste: Weniger Steuern zahlen zu müssen – in Deutschland gaben diesen Wunsch 81% der befragten Unternehmen an.

Die Wunschliste an die deutsche Politik gestaltet sich dementsprechend wie folgt:

  1. Verringerung der direkten Besteuerung
  2. Förderung der Neukreditvergabe durch Banken
  3. Einfachere Rechnungslegungsvorschriften
  4. Lockerung der Vorschriften für Arbeitgeber
  5. Mehr Investitionen in die Infrastruktur

Mögliche Gefahrenquellen

Welche Gefahren fürchten Kleinunternehmer? Befragt nach den größten nicht versicherten Risiken für das eigene Unternehmen ergab sich länderübergreifend folgende Rangfolge:

  1. Zahlungsausfälle der eigenen Kunden (42% der Nennungen)
  2. Unvorhergesehenes globales Ereignis (25% der Nennungen)
  3. Von Kunden verklagt werden (21% der Nennungen)
  4. Imageschaden (21% der Nennungen)
  5. Hacking/Cyber-Kriminalität (20% der Nennungen)

Bei den deutschen Kleinunternehmern rangiert Hacking/Cyber-Kriminalität mit 25% der Nennungen sogar auf Platz 3 – gegenüber 2015 eine Steigerung von immerhin 5%. Dies mag damit zusammenhängen, dass ganze 14% der deutschen Kleinunternehmen angeben, bereits Opfer einer Cyberattacke geworden zu sein – mehr als in jedem anderen Vergleichsland.

Deutscher Unternehmergeist im internationalen Vergleich

Kleinunternehmer: Unternehmergeist

In welchem Land ist der Unternehmergeist am stärksten ausgeprägt? Auch diese Frage wurde den Kleinunternehmern in allen sechs Ländern gestellt.

In fünf der sechs Länder ist man sich diesbezüglich einig: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind für Unternehmer weiterhin das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nur die befragten Unternehmer in Großbritannien tanzen hier aus der Reihe und sehen ihr eigenes Land diesbezüglich noch über den USA. Das Ranking der Briten gestaltet sich dementsprechend wie folgt:

  1. Großbritannien
  2. USA
  3. Deutschland
  4. Niederlande
  5. Frankreich
  6. Spanien

Ähnlich sehen es die befragten Unternehmen in Frankreich und den USA selbst, nur dass hier eben die Spitzenpositionen vertauscht sind:

  1. USA
  2. Großbritannien
  3. Deutschland
  4. Niederland
  5. Frankreich
  6. Spanien

Für deutsche Unternehmen steht das eigene Land in Sachen Unternehmergeist gleich an zweiter Stelle hinter den USA.

  1. USA
  2. Deutschland
  3. Großbritannien
  4. Niederlande
  5. Frankreich
  6. Spanien

Exakt die gleiche Rangfolge ergibt sich übrigens auch aus Sicht der befragten spanischen Unternehmer, die ihr eigenes Land somit als das mit dem geringsten Unternehmergeist sehen. Dies sehen die meisten Unternehmen in den anderen Ländern ebenso, sodass Spanien aus Sicht aller Länder in diesem Ranking das Schlusslicht bildet. Ebenso steht Frankreich aus Sicht der befragten Kleinunternehmer in allen Ländern auf dem vorletzten Platz.

Deutschland steht entweder auf Platz 2 (aus Sicht deutscher und spanischer Unternehmen) oder Platz 3 (aus Sicht der Unternehmen in den übrigen Ländern) – um den deutschen Unternehmensgeist scheint es also nicht allzu schlecht bestellt.

Von den Voraussetzungen und Vorteilen des Kleinunternehmerdaseins

Gefragt wurde auch, welche Eigenschaften der Unternehmer benötigt, um erfolgreich zu sein. Länderübergreifend ergab sich dabei folgende Rangliste:

  1. Der Wille, hart zu arbeiten
  2. Unabhängigkeit
  3. Entschlossenheit
  4. Mut
  5. Die Fähigkeit, andere zu führen

Für deutsche Kleinunternehmer stellt sich die Liste wie folgt dar:

  1. Der Wille, hart zu arbeiten
  2. Mut
  3. Kreatives Denken
  4. Unabhängigkeit
  5. Die Fähigkeit, Aufgaben zu delegieren

Auch nach den Vorteilen des Kleinunternehmerdaseins im Kontrast zur Arbeit in einem Großkonzern  wurde gefragt – Länderübergreifend wurden dabei folgende Punkte am häufigsten genannt:

  1. Die Möglichkeit von Zuhause aus / an verschiedenen Orten zu arbeiten
  2. Mehr Flexibilität in Bezug auf die eigene Arbeitszeit
  3. Mehr Selbstbestimmung

Interessanterweise handelt es sich hierbei allesamt um nichtfinanzielle Abwägungen – Geld scheint offenbar für die meisten Kleinunternehmer und Selbstständigen nicht die Hauptmotivation zu sein: Länderübergreifend nannten lediglich 33% der Befragten „Die Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen“ als Hauptgrund für das Unternehmerdasein.

In Deutschland gestaltet sich die Rangliste der Vorteile wie folgt:

  1. Weniger Bürokratie
  2. Mehr Flexibilität in Bezug auf die eigene Arbeitszeit
  3. Weniger Stress

Auch hierzulande stehen also die nichtfinanziellen Aspekte im Vordergrund. Zusätzlich zu Flexibilität und Selbstbestimmung ist für deutsche Kleinunternehmer auch die Abwesenheit von Stress und externem Druck ein wichtiges Motiv für die Arbeit in einem kleinen Unternehmen.

Finden Sie sich in den Antworten der befragten deutschen Kleinunternehmer wieder? Was sind Ihre Wünsche an die Politik und wie sehen Sie den Unternehmergeist in Deutschland? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Kleinunternehmer Studie

Weitere Infos zum Hiscox DNA of an Entrepreneur Report 2016 finden Sie in diesem Artikel. Die komplette Studie können Sie außerdem hier herunterladen (PDF).

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Infografik: obs/Hiscox