Kollektive Achtsamkeit (Teil 2) – Eine Unternehmenskultur der Offenheit

Wie Sie im ersten Teil dieses Artikels „Kollektive Achtsamkeit (Teil 1) – Mit Buddhas Weisheit zum Erfolg  erfahren haben, erhält ein Beschäftigter durch das Achtsamkeitstraining das nötige Selbstbewusstsein und die Stärke, seine Meinung im Unternehmen offen mitteilen zu können. Dies wird er aber nur umsetzten, wenn ihm tatsächlich keine erheblichen Konsequenzen für Fehlaussagen drohen und die Kommunikationsstruktur des Unternehmens es erlaubt, sprich: eine offene Fehlerkultur muss vorherrschen. 

Der Umgang mit der eigenen Unsicherheit ist keineswegs, wie häufig angenommen, nur eine Frage der persönlichen Kompetenz. Derartige Unterstellungen bauen sogar noch mehr Druck auf den Angestellten auf, da er das Gefühl bekommt allein für die Bewältigung seiner Unsicherheit verantwortlich zu sein. Das Individuum muss das Gefühl bekommen ein wertvoller Teil der Gemeinschaft im Unternehmen zu sein und Vertrauen zu seinen Vorgesetzten und Kollegen besitzen.

Um eine solche offene Kultur herstellen zu können, beobachten Sie zunächst die eingespielten Muster in Ihrer derzeitigen Kultur. Führen Sie hierzu „Kulturdialoge“ in gemischten Teams durch. Folgende Fragen sollten Sie sich dabei konkret stellen:

  • Welche Verhaltensmuster erleben wir in unserem Alltag?
  • Nach welchen Prinzipien sind sie gestrickt und wofür sind sie funktional?
  • Inwieweit fördern oder hindern uns diese Muster?

Im Anschluss werden gemeinsam Handlungsfelder ermittelt, von denen sich die Beteiligten die größte Wirksamkeit versprechen. Dabei werden Sie sicher auf Widersprüche in der bestehenden Kultur stoßen. Stellen Sie sich diesen bewusst und diskutieren Sie gemeinsam mit den Teams wie ein ausgewogener Umgang mit den widersprüchlichen Anforderungen aussehen kann. Wertschätzen Sie dabei jeden Einwand und jede Idee.

Kollektive Achtsamkeitsrituale als Gesprächsleitfaden

Tuscheln und Flüstern streut nur Gerüchte. Offene Kommunikation ist gefragt!

In kritischen Entscheidungssituationen hat sich ein Kommunikationsprotokoll namens „STICC“ als zielführend erwiesen, welches als Ritual der Achtsamkeit die Kommunikation in fünf Schritte der Wahrnehmung strukturiert:

Situation. Hier ist, wie ich die Situation sehe…

Task (Aufgabe) . Das hier müssen wir aus meiner Sicht tun…

Intention. Ich denke dies aus folgendem Grund…

Concern (Sorge). Auf diese Dinge müssen wir meiner Meinung nach achten…

Calibrate (Abgleich). Jetzt sagt mir, was ihr denkt: Habe ich etwas übersehen? Habt ihr Zweifel?

 

Diese Kommunikationsmethode fördert die Disziplin in emotionsgeladenen Situationen. Ziel ist es ein möglichst facettenreiches Bild der mehrdeutigen Wirklichkeit zu erzeugen. Es wird klar, dass keine allgemeingültige Wahrheit existiert, sie ist immer von den Perspektiven der anderen und deren Wahrnehmung abhängig. Als Unternehmen müssen Sie Widerspruch klar zulassen und sogar aktiv fördern, wenn Sie von dem Input aller Mitarbeiter profitieren möchten.

Fazit: Achtsamkeit ist keine Modeerscheinung

Für das erfolgreiche Unternehmen reicht es nicht allein aus jeden Mitarbeiter einzeln durch Achtsamkeitstraining zu fördern. Erst wenn das kollektive Achtsamkeitsstraining hinzukommt und man gemeinsam im Team Kommunikationsstrategien entwickelt, ist durch Achtsamkeit ein spürbarer und bestenfalls finanziell messbarer Erfolg zu verzeichnen.

Es braucht sowohl selbstbewusste Individuen als auch ein vertrauensvolles Umfeld, um eine offene Kommunikationskultur erschaffen zu können. Achtsamkeitsrituale wie „STICC“ helfen das Thema Achtsamkeit im Unternehmen präsent zu machen und sich in Gesprächen von Emotionen zu lösen. Unabhängig von derzeitigen Trends unter Unternehmern, ist das Achtsamkeitstraining ein großer Schritt zu effektiver Unternehmenskommunikation.

 

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