Medienkonsum 2015 – Das Fernsehen bekommt Konkurrenz

Die von ARD & ZDF durchgeführte Langzeitstudie Massenkommunikation beobachtet seit 50 Jahren Tendenzen der Mediennutzung in Deuschland. Seit 1980 erscheint die Studie im Fünfjahresrhythmus, dieses Jahr war es wieder soweit. Für die repräsentative Studie wurden insgesamt 4300 Personen ab 14 Jahren befragt.

Ein interessanter Aspekt der Studie ist die Gegenüberstellung der heute 14- bis 29jährigen im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt – schließlich können die Präferenzen dieser „jungen“ Generation einen Blick in die Zukunft des Medienkonsums ermöglichen.

Geräte im Haushalt

 Balkendiagramm zur Haushaltsausstattung mit Medien

Betrachten wir zunächst die Haushaltsausstattung der Gesamtbevölkerung, so fällt hier die nach wie vor starke Präsenz des Fernsehgerätes auf: In 98% aller Haushalte steht ein Fernseher.

Mit 10% Abstand folgen das Radio, der Computer und das Videogerät, die allesamt ebenfalls in einem Großteil der Haushalte zu finden sind.

Das Smartphone schafft es auf 61%, während weniger als die Hälfte aller Haushalte über einen MP3-Player, eine Konsole und einen E-Book-Reader verfügen.

Balkendiagramm Haushaltsausstattung mit Medien, 14- bis 29jährigeIm Kontrast dazu sticht bei der Altersgruppe der 14 bis 29jährigen ins Auge, dass Computer und Smartphone hier ebenso verbreitet wie der Fernseher sind. Mit einer Verbreitung von jeweils 98% scheinen diese Geräte zukünftig zur medialen Standardausrüstung zu gehören.

Generell fällt auf, dass bei der jungen Generation über 70% der Haushalte über eine ganze Bandbreite von Geräten verfügen: Neben Fernseher, Computer und Smartphone sind auch DVD/Blu-ray-Player, Radiogeräte, MP3-Player sowie Konsolen hier weit verbreitet.

Prozentual am meisten hinzu gewinnt beim Vergleich neben Smartphone (+37%) und MP3-Player (+37%) vor allem die Spielekonsole: Während diese im Bevölkerungsdurchschnitt lediglich in 29% der Haushalte aller Haushalte zu finden ist, sind es in der Alterskohorte der 14- bis 29jährigen ganze 73%, ein Zugewinn von 44% also. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass die jüngere Generation mit dem Medium Videospiel aufgewachsen ist und dieses Hobby zunehmend auch jenseits der Kinder- und Teenagerjahre weiter gepflegt wird.

Tägliche Nutzungsdauer

Infografik: Fernsehen schlägt Internet - doch wie lange noch? | Statista

Quelle: http://de.statista.com/infografik/3792/mediennutzungsdauer-2015/

Bei der täglichen Mediennutzungsdauer zeigt sich in der Gesamtbevölkerung ebenfalls die Dominanz des Fernsehens: 208 Minuten täglich werden im Durchschnitt vor der Flimmerkiste verbracht, gefolgt von 137 Minuten Hörfunk und 107 Minuten Internetkonsum.

Im Vergleich lässt sich auch hier bei der jüngeren Generation ein Wandel attestieren: Zwar wird hier auch immerhin 144 Minuten täglich dem passiven Fernsehkonsum gefrönt, doch noch mehr Zeit verbringen Jugendliche und junge Erwachsene online: Mit täglich 187 Minuten überholt das Internet in dieser Generation das bisherige Leitmedium  Fernsehen.

Doppelt soviel Zeit wie im Bevölkerungsdurchschnitt, nämlich 27 Minuten mehr, wird darüber hinaus mit dem Hören von CDs bzw. MP3-Dateien verbracht, während dafür 36 Minuten weniger Radio gehört wird.

Gedrucktes ist offenbar weitestgehend tot: Wird in der Gesamtbevölkerung immerhin noch 23 bzw. 6 Minuten täglich in der Tageszeitung bzw. diversen Zeitschriften geblättert, nimmt sich die jüngere Generation hierfür gerade mal 9 bzw. 1 Minute pro Tag Zeit. Immerhin verbringt sie täglich 3 Minuten mehr Zeit mit dem Lesen von Büchern als der Bundesdurchschnitt.

Haushaltsausstattung und Nutzungsdauer zusammenfassend lässt sich ein klarer Siegeszug des Internets ausmachen: Bei der jüngeren Generation gehören die internetfähigen Geräte Computer und Smartphone mit jeweils 98% Verbreitung neben dem Fernseher bereits deutlich zur Standardausstattung.

Zudem verbringt diese Generation mehr Zeit mit Internetaktivitäten als mit Fernsehen – was natürlich auch daran liegt, dass das Internet eine ganze Bandbreite von Aktivitäten vereint, die zudem ständig wächst.

Dass der klassische Fernseher – der in seiner zeitgemäßen Variante als Smart-TV natürlich auch internetfähig ist – längst nicht ausgedient hat und uns noch lange Zeit erhalten bleiben dürfte, liegt nicht zuletzt auch an seiner sozialen Komponente: Als eine Art elektronisches Lagerfeuer stellt der Platz vor dem Fernsehgerät insbesondere für Familien oft  eine Art zentraler abendlicher Versammlungsort dar, der so schnell nicht zu ersetzen ist.

Fotonachweis
Titelbild-Quelle: http://web.archive.org/web/20071226081329/teachpol.tcnj.edu/amer_pol_hist/thumbnail427.html

Weiterführende Links

http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Langzeitstudie-Massenkommunikation-Internetnutzung-ueberholt-bei-den-Juengeren-TV-und-Radio-136324

http://www.ard-werbung.de/media-perspektiven/publikationen/fachzeitschrift/2015/artikel/massenkommunikation-2015-mediennutzung-im-intermediavergleich/

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