Treibstoff aus der Steckdose

Vor einiger Zeit besuchte unser Mitarbeiter Dennis das Fuhrparkmanagement der Berliner Wasserbetriebe. Was es mit diesem Besuch auf sich hatte, verrät er im folgenden Interview.

Hallo Dennis, was trieb dich denn ausgerechnet zum Fuhrparkmanagement der Berliner Wasserbetriebe?

Der Anlass war eigentlich gewesen, dass ich hier in Berlin auf der Straße einen BMW mit einem auffallenden Design gesehen habe und ich nicht wusste, was das für ein Fahrzeug ist. Ich habe nur aus dem Augenwinkel gesehen, dass es ein Elektrofahrzeug war, das mit dem Design der Wasserbetriebe beklebt war. Und da ich bislang noch nichts davon mitbekommen habe, habe ich mich an das Fuhrparkmanagement der Wasserbetriebe gewandt, um mehr über diese Fahrzeuge zu erfahren.

Und dann durftest du dir die Sache quasi mal näher anschauen.

Genau, ich habe mich mit dem Fuhrparkmanagement in Verbindung gesetzt, einen Termin gemacht und bin dann mal zum Werner-Voß-Damm gefahren, wo das Fuhrparkmanagement sitzt und habe dort den Kollegen Herrn Claußnitzer mit meinen Fragen gelöchert. Ich durfte mir das Fahrzeug genauer anschauen und ich hatte das Glück, dass ich auf dem Firmengelände der Wasserbetriebe das Auto sogar fahren durfte um zu sehen, wie es sich verhält, wie die Fahrgeräusche sind und wie wohl man sich generell fühlt in so einem Fahrzeug.


Und, was ist so dein Fazit? Fährt es sich denn anders als ein gewöhnliches Auto mit Benzinantrieb?

Ja, es fährt sich tatsächlich etwas anders als ein gewöhnliches Auto. Zum einen liegt das sicher an der Automatikschaltung, zum anderen daran, dass das Fahrzeug sehr schnell abbremst, sobald man den Fuß vom Gaspedal nimmt – ohne dass man sofort auf die Bremse treten muss. Die Bremse ist eigentlich nur dafür da, um in Gefahrensituationen noch schneller mit dem Fahrzeug zum Stillstand zu kommen. Die Bremsung erfolgt also gewissermaßen automatisch – das hat auch damit zu tun, dass dadurch Energie wieder aufgenommen und den Batterien zugeführt wird.

Am prägnantesten an einem Elektroauto stelle ich mir das Fahrgeräusch vor. Man kennt ja dieses leise Surren aus diversen Science-Fiction-Filmen. Andererseits hört man ja immer wieder, dass Motorengeräusche auch bei benzinbetriebenen Fahrzeugen eigentlich schon längst vermeidbar wären und es komplette Abteilungen bei Autoherstellern gibt, die nur damit beschäftigt sind, Motorengeräusche zu entwickeln, die den Menschen gefallen. Macht denn dieser BMW noch ein Motorengeräusch im klassischen Sinne oder ist es wirklich nur ein leises Surren?

Genau diese Frage habe ich mir im Vorfeld auch gestellt. Und ich muss sagen, dass ich auch zumindest ein leises Geräusch vermutet hätte, vielleicht vergleichbar mit irgendwelchen elektrischen Haushaltsgeräten. Aber das Einzige was zu hören ist, sind die Fahrgeräusche der Reifen, wenn das Auto zum Beispiel über Kopfsteinpflaster oder anderen Bodenbelag fährt. Ansonsten hört man von dem Fahrzeug tatsächlich überhaupt nichts!

Das hat dann wiederum auch den Nachteil, dass Fußgänger, die das Auto nicht sehen und dann möglicherweise noch einen Kopfhörer im Ohr tragen, überhaupt nichts vom nahenden Fahrzeug mitbekommen. Es gibt daher auch Überlegungen, bei Elektroautos zukünftig Lautsprecher einzubauen, die Motorengeräusche simulieren, damit man die Fahrzeuge auch als Fußgänger wahrnimmt.

Eine lustige Vorstellung.

Auf jeden Fall.

Wofür benutzen die Wasserbetriebe denn dieses Fahrzeug?

Dieses Fahrzeug – ein BMW i3 – wird im Rahmen einer Studie des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt getestet, an der die Wasserbetriebe teilnehmen. Diese Studie richtet sich in erster Linie an Unternehmen, denen der i3 dann zur Verfügung gestellt wird. Durch die gesammelten Daten – es werden zum Beispiel die Fahrstrecken, Durchschnittsgeschwindigkeiten und der Batterieverbrauch gemessen – soll herausgefunden werden, wie sich Elektromobilität zukünftig im städtischen und ländlichen Raum am effektivsten nutzen lässt.

Der i3 der Wasserbetriebe hat zur Zeit eine Auslastung von einer Nutzung am Tag, das heißt, dass das Auto einmal täglich von Kolleginnen und Kollegen „ausgeliehen“ wird um z.B. zu einer Baustelle zu fahren. Abends wird er dann zurückgebracht und an die Ladesäule gesteckt.

Da wird es dann aufgeladen wie ein großes Handy.

Genau.

Wie weit kommt so ein Elektroauto denn mit einer Akkuladung?

Nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) liegt die Reichweite – abhängig von der Fahrweise – bei 140 Kilometern. Eine Ladung an der Ladesäule der Wasserbetriebe dauert sechs bis acht Stunden bei einer Ladesäulenkapazität von 3,4kwh. Das entspricht etwas mehr als die Leistung einer gewöhnlichen Steckdose, diese hat eine Kapazität von 2.4 kwh. Es gibt im Stadtgebiet aber auch spezielle Schnellladesäulen, an denen eine vollständige Aufladung des Fahrzeugs knapp eine Stunde dauert.

Das ist schon ein großer Unterschied zwischen einer und sechs bis acht Stunden…

Genau, denn die Kapazitäten dieser Schnellladesäulen liegen deutlich höher, etwa bei 6,2 kwh.

140 Kilometer klingt nach gar nicht so wenig, wenn man in der Stadt beispielsweise zum Einkaufen fährt und dann zu Hause das Auto gleich wieder an die Ladesäule hängt. Denkt man dagegen an längere Fahrten quer durch das Land, ergibt sich da eher ein Problem: Man fährt 140 Kilometer, dann muss der Wagen wieder an die Ladesäule, um erstmal eine Stunde aufzuladen – was natürlich ein großer Unterschied darstellt zu konventionellen Autos, die in zwei Minuten aufgetankt sind. Hier merkt man auch, woran die Schwachstellen dieser Technologie liegen – wobei diese ja ständig weiterentwickelt wird.

Genau, und hinzu kommt noch das Problem, dass beispielsweise auf der Strecke Berlin-München bei 140 Kilometern Reichweite wahrscheinlich noch nicht genug Raststätten mit Ladesäulen vorhanden sind. Daher machen Elektrofahrzeuge aufgrund ihrer eingeschränkten Ladekapazität in erster Linie in Großstädten Sinn, zumal sie gerade dort die Luftqualität nicht noch zusätzlich belasten.

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In Städten wie Berlin sieht man ja auch immer mehr Ladesäulen. Gerade in Verbindung mit Modellen wie dem immer populärer werdenden Carsharing könnte sich Elektromobilität ja auch erstmal dort etablieren.

Die Elektromobilität in Berlin wird auch stark vom dortigen Senat gefördert. Und auch die Berliner Wasserbetriebe schaffen sich – unabhängig vom Testfahrzeug – weitere Elektrofahrzeuge an. Diese werden allesamt ein eigenes Kennzeichen speziell für Elektroautos erhalten. Zudem ist angedacht, dass Elektrofahrzeuge in Berlin zukünftig Busspuren benutzen und kostenlos parken dürfen.

Dann werden wir ja im kommenden Jahr so einige Elektromobile der Wasserbetriebe auf den Straßen sehen.

Genau, die Wasserbetriebe bekommen ab Mitte November 2015 20 Elektrofahrzeuge vom Typ Nissan Leaf. 15 dieser Fahrzeuge werden im klassischen Design der Wasserbetriebe gebrandet, die restlichen fünf Fahrzeuge erhalten das Design der Berliner Stadtwerke. Also kann es durchaus sein, dass man solch ein Fahrzeug im Berliner Stadtverkehr erblickt.

Dennis, vielen Dank für das Interview.

Gerne.

Das Interview wurde im Oktober 2015 aufgezeichnet.

Weiterführende Links:

Die Berliner Wasserbetriebe schwimmen mit dem Strom

http://www.ausbildung.bwb.de/blog/die-berliner-wasserbetriebe-schwimmen-mit-dem-strom/

Über eine Million Kilowattstunden gespart/Große Elektro-Auto-Flotte

http://www.bwb.de/content/language1/html/299_17157.php

Fotonachweis
Urheber: Jack Simanzik