Warum Arbeit Spaß machen darf

 

Unter der Überschrift „Gebt´s doch zu, Arbeit nervt!“ rechnet Volker Kitz mit einem vermeintlichen Kult rund um die Erwerbstätigkeit ab. Arbeit werde inzwischen angepriesen wie ein mysteriöses Wundermittel, das automatisch für Spaß, nette soziale Kontakte, immerwährende Abwechslung und überhaupt erst für einen Lebenssinn sorge: „Spiel, Spaß und Spannung bringt die Arbeit. Sinn, Erfüllung, Selbstverwirklichung.“

Arbeit – ein notwendiges Übel?

Dabei sehe die Wirklichkeit ganz anders aus: Für die meisten Menschen sei Arbeit nichts anderes als Mittel zum Zweck, ein notwendiges Übel, ein Tausch von Zeit gegen Geld, der keine besondere Erfüllung mit sich bringe.

Dass nach dem Engagement-Index des Gallup-Instituts lediglich 15 Prozent aller Angestellten in Deutschland angeben, eine „hohe emotionale Bindung“ zu ihrem Unternehmen zu haben, ist für Volker Kitz – ungeachtet der individuellen Ursachen – ein Beleg dafür, dass Arbeit „über Branchen-, Hierarchie-, Alters- und Geschlechtergrenzen hinweg“ nicht als ein solches Wundermittel funktioniere.

Dass sie dennoch dermaßen angepriesen werde, gehe sowohl zu Lasten der Führungskräfte (da sie den schönen Schein aufrechterhalten müssen) als auch der Angestellten (denen ein nicht einlösbares Bild der Arbeit vorgehalten wird, das in erster Linie für Frustrationen sorgt).

Dabei wäre die Lösung nach Kitz denkbar simpel und naheliegend, nämlich das Eingeständnis, dass Arbeit für „die Masse der Menschen nichts Schönes ist“: Sie sei zumeist langweilig und wenig herausfordernd.

Das sei nicht weiter schlimm, die meisten Menschen könnten gut damit umgehen und sich Spaß und Sinn woanders suchen. Denn: Wenn Arbeit dies alles liefern könnte, so fragt Kitz, warum sollte man noch dafür bezahlt werden?

„Die Analyse ist nüchtern, doch die Botschaft grundpositiv: Wenn wir der Masse der Menschen mehr Wahrheit über ihre Arbeit sagen, produzieren wir oben weniger Stress und unten weniger Enttäuschungen. Die Stimmung steigt dann ganz automatisch, oben wie unten. Und die Produktivität gleich mit.“

Kann denn Arbeit Freude sein?

Einerseits erfrischend – endlich wird der Grund, warum ein Großteil der Menschen Tag für Tag zur Arbeit geht, offen ausgesprochen: In erster Linie dient ihnen Arbeit tatsächlich zur Finanzierung des Lebensunterhaltes!

Wer dies für sich selbst bestreitet, impliziert damit gleichzeitig, dass er seine Tätigkeit auch ausüben würde, wenn er dafür kein Geld bekäme.

Gleichzeitig hinterlässt der Artikel einen etwas fatalistischen Eindruck – ganz so, als bedeute diese Einsicht, nun jeden Tag zwangsläufig acht Stunden in einer Art freudlosen Apathie verbringen zu müssen.

Weinendes und lachendes Gesicht.

Muss das denn sein? Und wie kommt dieser Eindruck zustande?

Es zeigen sich hier zwei Vermischungen, die Volker Kitz implizit unterstellt: Zum einen wird „Freude an einer Tätigkeit“ mit „Selbstverwirklichung“ gleichgesetzt, zum anderen die bloße Arbeitstätigkeit mit dem Arbeitsplatz in seiner Gesamtheit.

Dabei erschließt sich weder die erste, noch die zweite Vermengung von selbst: Nur weil eine Beschäftigung nicht die Möglichkeit bietet, das ganze Potential der eigenen intellektuellen Fähigkeit komplett zu fordern, bedeutet dies ja nicht, dass diese Beschäftigung nicht auch mal Freude bereiten darf. Denn andernfalls fände auch niemand Freude an Tätigkeiten wie Essen oder Sport.

Natürlich besteht ein Unterschied darin, ob man etwas für eine oder acht Stunden tut, und natürlich werden manche Tätigkeiten schneller langweilig als andere.

An dieser Stelle gilt es, die zweite Vermischung zu analysieren – der „Arbeitsplatz“ umfasst weit mehr als die bloße zu verrichtende Tätigkeit: Organisation und Verteilung der Arbeit, interne Kommunikation, Vorgesetztenverhalten, Arbeitsplatzgestaltung, das kollegiale Umfeld und nicht zuletzt Lob und Anerkennung.

Auf all diese Faktoren kann mehr oder weniger Einfluss ausgeübt werden und all diese Faktoren tragen eben auch zur Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter und so letztlich zu ihrer Motivation und Produktivität bei.

Denn umgekehrt gilt: Wem nutzt die interessanteste Tätigkeit der Welt, wenn er sich an seinem Arbeitsplatz unwohl fühlt?

Fotonachweis
Quelle: http://www.gratisography.com

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